1. Die Tränen der Göttin

Eine alte phrygische Legende besagt, dass die Tränen der Kybele, der Muttergöttin der Fruchtbarkeit und Natur, die makellos weißen Terrassen von Pamukkale erschufen. Ihr Schmerz war so groß, dass sie vierzig Tage und Nächte weinte, nachdem ihr geliebter sterblicher Hirte Attis gestorben war. Ihre heiligen Tränen flossen den Hang hinab und kristallisierten zu den heutigen reinweißen Kalziumformationen. Der Überlieferung nach können Menschen, die in den Thermalwässern baden, die heilende Umarmung der Göttin spüren; das Wasser soll noch immer Spuren ihrer anhaltenden Trauer bergen. Lokalen Legenden zufolge suchen Frauen, die sich Fruchtbarkeit wünschen, diese Quellen bei Vollmond auf, in dem Glauben, Kybeles Segen könne bei der Empfängnis helfen. Generationen lokaler Familien haben die Geschichte lebendig gehalten; viele sagen noch heute, sie könnten die Präsenz der Göttin in der nebligen Morgenluft über den Terraten spüren.
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